Ehepaar Rose

Schiedsrichter-Ehepaar Rose stimmt Termine vorher

Langenfeld. Sie stammen beide aus Sachsen, verließen beide nach dem Mauerfall ihre ostdeutsche Heimat, waren Zeitsoldaten - sie acht, er zwölf Jahre lang -, sind eingefleischte Motorradfans, ließen sich beide an der Bundeswehrfachschule in Köln zum Erzieher ausbilden und lernen nunmehr seit knapp zwei Jahren als Fußball-Schiedsrichter ihre neue Eifelheimat näher kennen.

Kennen- und schätzen gelernt haben sich die 35-jährige Annett Rose und der 33 Lenze zählende Stephan Wanderer während ihrer Ausbildung in der Domstadt. Als beide 2010 ihr Studium beendeten, sie im Jugendhilfezentrum Bernardshof ihr Anerkennungsjahr absolvieren durfte, er im Kindergarten in St. Johann, suchte sich das Paar ein eigenes Zuhause und fand eine passende Wohnung in Welschenbach in der Nähe des Nürburgrings. „Die Leute im Dorf haben uns mit offenen Armen aufgenommen, wir fühlten uns von Anfang an wohl“, ist Annett angetan von der Gastfreundschaft der Eifelaner. „Da ich bei der DJK Baar Mitglied wurde und dort auch in der Seniorenmannschaft kickte, verlief die Integration völlig reibungslos“, erinnert sich Stephan.

Seit Januar sind beide verheiratet und führen Rose als gemeinsamen Familiennamen. Dass sie sich im März ein Haus in Langenfeld kauften, zeugt davon, dass sie in ihrer neuen lieb gewonnenen Heimat endgültig Wurzeln schlagen wollen. Beruflich hat sich auch einiges getan: Er ist seit Längerem im Bernardshof angestellt, sie wird im Januar ihre neue Stelle im Herz-Jesu-Kindergarten in Mayen antreten. Immerhin stehen dann die Zeichen gut, dass man sich häufiger sieht und nicht mehr ständig Stephans Spielplan der dritten Mannschaft mit beider Pfeif- und Schichtpläne koordinieren muss.

Warum sind sie überhaupt Schiedsrichter geworden? Stephan hat positive Erinnerungen an seine Jugendzeit, als er schon einmal für einen kurzen Zeitraum als Unparteiischer im westfälischen Fußballverband Erfahrungen sammelte. Annett war es nie vergönnt, selbst zu kicken. „Knieprobleme haben erste Ansätze bald zunichte gemacht. Geblieben ist jedoch meine Begeisterung für den Fußball“, erzählt die Karlsruher SC-Anhängerin. „Ich habe ihr viel Gutes berichtet und sie dazu gekriegt, mit mir zusammen Im Dezember 2011 einen Anwärter-Lehrgang in Koblenz zu besuchen“, so S04-Fan Stephan. „Die Finger im Spiel hatte aber auch Horst Setzepfandt, er hat mit während eines Fußballcamps im Bernardshof die Sache schmackhaft gemacht“, ergänzt Annett.

Schon im Januar 2012 durfte Stephan erstmals seine Kluft anziehen und bei einem Hallenturnier in Adenau pfeifen. Seine Gattin musste noch bis zum März warten, ehe sie in Barweiler ein C-Juniorenspiel leiten durfte. Seitdem führen sie gewissenhaft Buch, notieren sich die örtlichen Gegebenheiten (zum Beispiel ob man duschen kann), halten die zurückgelegten Kilometer fest und tauschen sich sogar während der Spiele per SMS aus. „Das hört sich zwar komisch an, aber ein solcher Kontakt in der Halbzeitpause gibt mir Sicherheit“, verrät Annett. „Man hat ja sonst niemanden da draußen, der einen beraten, aufmuntern oder trösten kann.“ Die Gespräche gehen dann in den häuslichen vier Wänden weiter. „Wir beichten uns die gemachten Fehler, um daraus zu lernen und uns weiter zu entwickeln. Der Partner ist Ersatz dafür, dass vor Ort selten kein neutraler Beobachter zur Verfügung steht, dass kein Austausch ohne Emotionen stattfindet.“ Annett weiter: „Wenn man nicht auf seine Fehler hingewiesen wird, begeht man sie immer wieder.“ Und zu den Belehrungen hat sie auch einen Vorschlag: „Hier sollte man die Schiedsrichter nicht nach ihrem Alter, sondern nach den Jahren ihrer Tätigkeit einzuteilen. In homogeneren Gruppen werden eher gemeinsam berührende Themen angesprochen.“


Jeder der Roses hat es mittlerweile auf rund 70 Einsätze gebracht, beide sind ehrgeizig und wollen sich mit der derzeitigen Einstufung (sie für die C-Klasse, er für die Kreisliga A) noch nicht zufrieden geben. Und dies trotz vielfacher Belastung. Wer wie Stephan noch selbst kickt, in Vollzeit arbeitet, nebenher noch in Nimwegen Sozialpädagogik studiert und dann auch noch regelmäßig pfeift, dem bleibt kaum noch Zeit für sein Hobby, das Motorradfahren. Ähnlich ergeht es Annett, die ebenfalls derzeit Vollzeit im Schichtdienst arbeitet und seit zwei Jahren eine zusätzliche Ausbildung zur Traumapädagogin absolviert, neben der normalen beruflichen Arbeit. Die Hausarbeit teilen sie sich partnerschaftlich, weil es sich so gehört und es zeitlich auch gar nicht anders geht.